Eva Evans
Kaiserallee 24 (heute Bundesallee) in Berlin-Wilmersdorf
Frau Eva Evans, geborene Klopstock, musste nach den Novemberpogromen 1938 als Jugendliche mit ihren Eltern Annie und Felix Klopstock aus Berlin fliehen.
Die Familie wohnte in der Kaiserallee 24 (heute Bundesallee) in Berlin Wilmersdorf in einer großen Wohnung, in der sich auch die Praxis des Vaters Felix Klopstock befand, der ein Spezialist für Tuberkulose war. Die beiden älteren Kinder Fritz und Lilly waren aufgrund der Unmöglichkeit in Deutschland mit jüdischer Religion eine Zukunft zu haben bereits in die USA und nach Palästina ausgewandert, dafür haben die Eltern gesorgt.
Der Vater selbst wollte nicht aus Deutschland weg, die Familie stammte aus Thüringen und Bayern und fühlte sich durch und durch deutsch. Der Vater war davon überzeugt, dass sie die Hitler-Zeit überstehen würden, zum einen weil er aus dem 1. Weltkrieg das Eiserne Kreuz 1. Klasse besaß, was ihm zunächst noch einen gewissen Schutz bot und zum anderen, weil er überzeugt war "Hitler wird nicht dauern", so formulierte es Frau Evans im Interview mit uns.
Auch Eva war zunächst in gewisser Weise durch dieses Eiserne Kreuz ein wenig geschützt, so durfte sie auf ihrer Schule bleiben und musste nicht wie die anderen Kinder mit jüdischer Religion die Schule verlassen. Ab November 1938 gab es jedoch für alle Menschen mit jüdischer Religion keinerlei Schutz mehr und Eva meinte im Interview, es wäre der größte Fehler ihres immer so intelligenten Vaters gewesen, dies nicht zu erkennen und nicht früher auszuwandern. Auch ihr Vater wurde in der Reichspogromnacht von Nazis abgeholt und wie tausende anderer jüdischer Männer nach Sachsenhausen gebracht. Die Befreiung aus Sachsenhausen war nach größten Anstrengungen zum Glück seiner Ehefrau Annie gelungen, die Visa-Papiere vorzeigen konnte. Damit konnte die Familie nach England ausreisen, wohin der Bruder Annies, Otto Kahn-Freund bereits zu Beginn der Hitler-Zeit emigrierte.
Im folgenden Podcast hat die Klasse 6a sich mit der Geschichte der Familie Klopstock nach der Flucht aus Berlin beschäftigt und Frau Evans, die inzwischen bereits 100 Jahre alt ist, in einem Video-Call zu den Ereignissen bezüglich der Flucht und ihres Lebens in England befragt.
Frau Evans erzählte dabei auch persönliche Geschichten und von ihrem beruflichen Werdegang in England, der mit dem von der Queen Elisabeth erteilten MBE geehrt wurde. Die Energie und die Offenheit für Neues die Frau Eva Evans ausmacht, ist immer noch in ihren Interviews zu spüren.
Wir danken ihr herzlich für das Interview und wünschen ihr viel Gesundheit und Freude weiterhin im Kreise ihrer Familie in England.
English version
Eva Evans had to flee from Berlin as a teenager with her parents Annie and Felix Klopstock after the November pogroms in 1938.
The family lived at Kaiserallee 24 (now Bundesallee) in Berlin Wilmersdorf in a large apartment, where her father Felix Klopstock had his practice and where he worked as a doctor and as a specialist in tuberculosis. The two older children, Fritz and Lilly, had already emigrated to the USA and Palestine due to the impossibility of having a future in Germany with a Jewish religion. The father himself did not want to leave Germany, the family came from Thuringia and Bavaria and felt German through and through. The father was convinced that they would survive the Hitler era, firstly because he had the Iron Cross 1st Class from the First World War, which offered him a certain degree of protection, and secondly because he was convinced "Hitler won't last", as Mrs Evans told us in the interview. Eva was also protected to a certain extent by this Iron Cross, so she was allowed to stay at her school and did not have to leave like the other children with a Jewish religion.
From November 1938 on there was no longer any protection for all people of the Jewish religion and Eva said in the interview that her father, who had always been so intelligent, had made the biggest mistake in not realising this and not emigrating earlier. Her father was also picked up by Nazis on the Reichspogrom-Night and taken to the KZ Sachsenhausen like thousands of other Jewish men. Fortunately, his wife Annie managed to get her husband out from the KZ after great efforts as she was able to show visa papers. This enabled the family to leave for England, where Annie's brother, Otto Kahn-Freund, had already emigrated at the beginning of the Hitler era.
In the following podcast, Class 6a looked at the history of the Klopstock family after their escape from Berlin and interviewed Mrs Evans, who is now 100 years old, in a video call about the events surrounding their escape and their new life in England.
Mrs Evans also told us some personal stories and something about her professional career in England, which was honoured with the MBE by Queen Elizabeth. The energy and openness to new things which characterise Mrs Eva Evans can still be felt in her interviews.
We would like to thank her warmly for the interview and wish her health and happiness with her family in England.
Interview Käthe-Kollwitz-Gymnasium
Im Rahmen unseres Stolpersteinprojekts hat nun auch das Käthe-Kollwitz-Gymnasium gemeinsam mit dem Heinrich-Schliemann-Gymnasium ein Interview mit Frau Eva Evans geführt. In dem längeren Interview kann man viel über die Zeit damals erfahren und kann besser verstehen, warum jüdische Berlinerinnen und Berliner nicht früher versucht haben zu fliehen.
Interview in 4 Teilen
Das letzte Interview
Frau Eva Evans wurde mehrmals von Schulklassen unsrerer Schule interviewt. Zum ersten Mal im Jahr 2020, zu Beginn unseres Projekts. Das letzte Interview durfte die jetzige 6a im Jahr 2024 mit der dann 100-jährigen Frau Evans abhalten, die letztes Jahr bei sich zuhause in London verstarb.
Wir möchten uns hiermit herzlichst für die vielen Video-Calls auch bei ihrer Tochter Janet bedanken. Frau Evans, geborene Klopstock hat unseren Schulkindern auf stets kindgerechte Weise das Aufkommen des Nationalsozialismus und die damit verbundene immer stärker werdende Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsteile erklärt. Die Kinder können an ihrer Lebensgeschichte erfahren, wie gefährlich es sein kann, wenn ein ganzes Volk unmenschlichen populistischen Ideen hinterherläuft und weghört sowie wegschaut, wenn Menschen sogar ihres direkten Umfeldes Opfer dieser Ideen werden.
Eva Evans deutsche Version
(Der Interviewteil enthält Ausschnitte aus Interviews vom Jahr 2020 und 2024)