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Vom verwilderten Garten zum Lernort

Vor 4 Jahren entstand die Idee, ein Stück Vorgarten der Schule, welches seit Jahren ungenutzt und mittlerweile verwildert war, für den Aufbau eines Schulgartens zu nutzen. Da es sich um einen abgeschlossenen Vorgarten – nur durch eine Pforte mit Schlüssel begehbar - handelte, war es bisher eine tote Fläche. Für einen Schulgarten wäre dies als geschützter Raum jedoch ideal. Bisher gab es hier nur eine ungepflegte Grasfläche und eine mit Efeu bewachsene Senke. Da diese Fläche jedoch lange nicht gepflegt wurde, hatten sich unzählige Ahorn- und Essigbäumchen ausgesät, es wuchsen Disteln und Brombeerranken überall dazwischen. Da würde viel Arbeit auf uns zukommen, doch sahen wir auch das Potenzial dieser Fläche als Lern- und Betätigungsfeld in ganz verschiedenen Bereichen.

Im Frühjahr 2016 bekamen wir von einem Verein ein Hochbeet geschenkt. Dieses nutzten wir als Anlass, mit unserem Vorhaben zu beginnen. Zwei Klassen weihten dieses Hochbeet feierlich ein und bepflanzten es sogleich. Passend zum Lied „Come si pianta la bella Polenta“ aus dem Musikunterricht wurde auch einige Maispflanzen gepflanzt. Die Kinder der 1. Klasse wollten sehen, wie Mais wächst und wie man ihn erntet. Von Anfang an war es wichtig, dass der Garten sofort für praktisches Lernen genutzt wird, auch wenn er sonst noch nicht so ansehnlich war. Die Schüler der Klassen kümmerten sich von nun an um die Rodung von wilden Sträuchern und Efeu. Riesige Haufen wurden zusammengetragen.

Erste Ernte - 2017

Im folgenden Jahr, im Frühjahr 2017, wurde in der ehemaligen Efeusenke ein kleines Erdbeerfeld angelegt und ein Teil der wilden Grasfläche zu einem Kartoffelacker umgegraben. Jedoch gab es nicht genug Zeit, aus der Fläche einen wirklichen Schulgarten zu gestalten und das Gras wucherte wieder ins Kartoffelbeet hinein. Doch die Erdbeeren schmeckten lecker und zwischen den vielen wilden Beikräutern konnte die 2. Klasse erstaunlich viele Kartoffeln ernten. Diese wurden in einer kleinen Waschstraße im Klassenraum geschrubbt, geschnitten und dann in der Schulküche gekocht. Mit selbstgemachten Kräuterquark wurden die Kartoffeln passend zum aktuellen Thema "Gesunde Ernährung“ verspeist.

 

 

 

Ein WUV-Kurs „Schulgarten“ wird eingerichtet

Da wir merkten, dass wir mit der schönen Gartenfläche doch nicht so vorankamen, wie wir gern wollten, entstand die Idee, einen WUV-Kurs „Schulgarten“ einzurichten. Im neuen Schuljahr 2017/18 wurde der Kurs gestartet. Dieser Kurs hatte das Ziel, den Garten soweit aufzubauen und zu gestalten, dass dieser von mehreren Klassen und Gruppen genutzt werden könnte. Der WUV-Kurs geht immer nur über ein Halbjahr, so dass mehrere Kinder der 5. Jahrgangsstufe in den Genuss kommen, an dem Garten mitzuarbeiten und ihn zu gestalten. So wurde die Hecke gestutzt, weitere Efeuflächen gerodet, die riesigen Massen an Grünschnitt abgefahren, Kompostbehälter und weitere Hochbeete gebaut.

 

Im Herbst wird der Frühling gepflanzt

Die Natur im Jahresverlauf wird sichtbar: Ein besonderer Aspekt, welchen die Kinder im Schulgarten erleben und erforschen können. So haben Kinder verschiedener Jahrgangsstufen und Kinder der Willkommensklasse im Herbst 2017 Hunderte von Frühblüherzwiebeln gepflanzt. Die heimischen Frühblüher werden im Rahmen des Sachunterrichts in der Schulanfangsphase und in den Willkommensklassen jährlich thematisiert. Nun müssen die Pflanzen nicht mehr nur im Topf betrachtet, sondern können direkt im Garten erforscht, vermessen, gezeichnet und dokumentiert werden. Besonders wird nun der immer wiederkehrende Kreislauf von wachsen, blühen, verwelken, ruhen und erneut wachsen für die Kinder direkt nachvollzieh- und erlebbar.

Die große Erdaktion - Frühjahr 2018

Was macht der Schulgartenkurs im Winter? Wenn es nicht gerade in Strömen gießt, kann man sehr wohl auch im Winter raus in den Schulgarten gehen. Die kalte Jahreszeit wurde genutzt, die Hochbeete zusammenzubauen und mit Teichfolie auszukleiden. Außerdem wurden für die kommende Gartensaison Schilder gemalt und gebaut. Die Kinder probierten sich mit Handsägen, Hammer und Nagel, elektrischer Stichsäge und Akkuschrauber aus. Nachdem die Beetkästen nun fertig waren, wurde Erde benötigt. Aber wieviel? Auch messen und rechnen muss man im Schulgarten! Mit Zollstöcken und Notizzetteln bewaffnet, wurden die Beete vermessen und gemeinsam das Volumen dieser berechnet. 5 Kubikmeter Komposterde wurden bestellt, der große LKW kam und es ging ans Schaufeln. Das konnte der WUV-Kurs nicht allein stemmen. So halfen viele: eine dritte Klasse, andere WUV-Kurse, die Buddys, Lehrer, Horterzieher und die Schulleiterin packten mit an.

Auf die Plätze fertig - losgepflanzt

Nachdem die Kästen nun befüllt und noch einige gerodete Flächen mit neuer Komposterde durchmischt worden waren, konnte losgepflanzt werden. Der Förderverein spendete Geld für Saatkartoffeln, Samen, Tomaten, Paprika, Zucchini, verschiedenste Kräuter und Obststräucher. Der WUV-Kurs konnte die selbstgebauten Beete bepflanzen und das Wachstum der verschiedenen Gemüsesorten von Woche beobachten, von Beikräutern befreien und natürlich gießen.

Auch wurden verschiedenen Anbauformen von Tomaten ausprobiert und der Unterschied beobachtet. Die Tomatenernte war bei dem heißen Sommer gigantisch. Sogar im Herbst noch kurz vorm Frost wurden kistenweise grüne Tomaten geerntet, nach Reifegrad sortiert und nach einer Woche die Nachreifung beobachtet, ausgewertet und wieder neu sortiert. So gab es Tomaten bis in den November hinein!

Kartoffelprojekt

Da nun auch noch andere Klassen mal in den Genuss des Schulgartens kommen sollten, startete eine weitere Kollegin ein Kartoffelprojekt mit ihrer 2. Klasse. Die Klasse hatte das Kartoffelfieber gepackt. Im Musikunterricht wurde das Bratkartoffellied gesungen. Auch geschichtlich wurde das Ganze noch aufbereitet: "Wie die Kartoffel nach Europa kam". Als Höhepunkt wurde dies szenisch als Minitheater aufgeführt. 

 

 

 

Weitere Hochbeete müssen her 

Das Kartoffelprojekt ist so gut angekommen, dass man schnell erkannte, dass noch mehr Beete benötigt werden, damit viele Klassen ihre eigenen Erfahrungen machen können. Weiterhin merkten wir, dass die gerodeten Hangflächen noch nicht optimal genutzt wurden. So begann der neue WUV-Kurs mit der Planung der Gestaltung der Hangflächen: Terrassenbeete sollten entstehen. Es wurde ein Plan gezeichnet, gemessen und überlegt, welches Material benötigt wird. Sofort wurde klar, dass man dieses Mal nicht vorgefertigte Stecksysteme nutzen konnte, sondern die Beete selbst genau passend anfertigen musste. Mehrmals musste Material gekauft und verarbeitet werden. Es wurde wieder mit Fuchsschwanz und Stichsäge gesägt, mit dem Akkuschrauber Löcher vorgebohrt und anschließend die Bretter mit Eckpfeilern zu Beetkästen zusammengeschraubt. Nachdem der Anfang etwas chaotisch war, wussten manche schnell wie die Abläufe waren und konnten die Arbeit immer selbstständiger verrichten.

 

Porreesuppe

Nachdem die Kinder des WUV-Kurses bei kühlen Temperaturen und ungemütlichem Wetter so viel gebaut, gemäht, geharkt und gegraben hatten, war es eine willkommene Abwechslung, als dann kurz vor dem ersten Frost der Porree geerntet wurde. Aus diesem wurde nach einem einfachen Rezept anschließend drinnen eine Suppe gekocht und gemeinsam verspeist.

 

 

 

Im Winter wird der Sommer vorbereitet - 2019

Was tut der Gärtner noch im Winter? Schon im Februar, obwohl es draußen noch frostig war, ging es drinnen mit dem Aussäen los. Denn Tomaten, Paprika und Gurkenpflänzchen brauchen ihre Zeit. Nachdem die Samen gelegt und gewässert waren, nahmen die WUV- Kinder die Mini-Gewächshäuser mit in ihre Klassen und mussten sie dort die Woche über beobachten und pflegen. Nebenbei lernten die Kinder noch die verschiedenen Gemüsefamilien kennen und es wurde gemeinsam überlegt, welche Teile des Gemüses verzehrt werden: Blattgemüse, Fruchtgemüse, Stielgemüse. Bei manchen Gemüsesorten isst man sogar nur die Knospen!

Fertigstellen und Bepflanzen der neuen Terrassenbeete - 2019

Nun mussten dringend die neuen Beete fertiggestellt und mit Erde befüllt werden, damit die vorgezogenen Pflänzchen in die Erde können.

Beerenvielfalt

Die Erdbeeren von der alten Fläche wurden in die neuen Terrassenbeete gepflanzt und viele weitere Ableger von anderen Pflanzen
dazugesetzt. Es sollte schließlich nicht nur genascht, sondern vielleicht auch mal Marmelade gekocht werden können! Zum Verkauf auf dem Weihnachtsbasar!
Ein schwarzer, ein roter Johannesbeerbusch, eine Stachelbeere, Himbeeren und Brombeeren wurden gepflanzt. Durch die verschiedenen Beeren wird so die Beerenvielfalt sichtbar.

Die eigenen Jungpflanzen werden in die Erde gebracht

Endlich ist es soweit. Nachdem die Gurken-, Tomaten-, Paprika und Zucchinipflänzchen auf der Fensterbank gehegt und gepflegt wurden (einige auch
leider eingegangen sind), war es endlich warm genug, dass die Pflanzen nach draußen konnten.

 

 

 

 

Aussaat und Wachstum beobachten

Vom letzten Jahr wurden die getrockneten Sonnenblumenköpfe hervorgeholt, die Samen herausgepult und ausgesät. Nach wenigen Tagen konnten die Schüler die ersten Keimlinge beobachten. Auch hier wurde der Kreislauf der Natur deutlich. Im Hochbeet wurden schon Ende März Radieschen und Erbsen gesät und Zwiebeln gesteckt. Damit diese nicht zu sehr den kalten Temperaturen ausgesetzt waren, wurden sie mit einem Vlies abgedeckt. Jede Woche nahmen die Schüler mit Spannung das Vlies herunter, um die neue Wachstumsentwicklung zu bestaunen.

 

Vernetzung des Gartens mit dem Schulleben


Verbindung zur Schülerküche

Im Kellergeschoss mit Blick zum Schulgarten befindet sich die Schülerküche. Dort findet jeden Dienstag parallel der WUV-Kurs „Kochen“ statt. Mehrmals wurde plötzlich aus dem Küchenfenster gerufen: „Habt ihr zufällig noch Petersilie im Garten?“ oder: „Gibt es bei euch auch Thymian?“ Dies veranlasste uns dazu, das Kräuterbeet direkt vor das Küchenfenster zu verlegen. Schilder wurden angebracht, dass andere Klassen ebenfalls die Kräuter Erkunden und bestimmen zu können.

Kräuter sinnlich erleben

Nicht nur im Lebenskunde- und Religionsunterricht nutzten die Kollegen den Kräutergarten. In einer Art von Achtsamkeitsübung lernten die Schüler ganz neu die Natur mit ihren Sinnen zu erleben.

Verbindung zur Holzwerkstatt

Ebenfalls im Keller mit Blick zum Garten befindet sich eine kleine Holzwerkstatt. Hier arbeiten auch regelmäßig Schüler im WUV-Kurs. Die Idee ist, dass dort in
Zukunft auch Nistkästen und weitere Insektenhotels gebaut werden. Weiterhin besteht der Wunsch, eine Sitzgelegenheit für eine größere Gruppe zu bauen, die als Besprechungsort im Garten genutzt werden kann.

Forscheraufgaben zur Wiese im Sachunterricht

Zum Thema „Wiese“ erforschten Schüler die Wilden Wiesenecken des Gartens. Pflanzen und Tiere wurden Gezeichnet, bestimmt und dokumentiert.

Verbindung mit NaWi

Auch für den NaWi-unterricht wurde der Schulgarten mehrfach genutzt. Zwei Klassen machten sich auf die Suche nach Asseln. Alle Steine wurden umgedreht und Asseln in Behältern gesammelt, um diese als Beispiele der Gattung „Krebstiere“ zu erforschen. Auch zum Erkunden von Blütenformen: Korbblütler
(Sonnenblume), Lippenblütler (verschiedene Kräuter), Ähre (Gräser) wurde der Garten besucht. Der allgemeine Aufbau der Blüten und die Entwicklung zu Früchten anhand von Tomatenpflanzen wurde erforscht.

Schulgartenführung zum Hoffest und „Tag der offenen Tür“ 

Mittlerweile ist der Schulgarten soweit gewachsen, dass es lohnt besichtigt zu werden. Deshalb gab es im Mai 2019 die
ersten Schulgartenführungen im Rahmen des Hoffests. Stolz führten die WUV-Kinder die Elter herum, erzählten, berichteten und antworteten auf die Fragen. Zum „Tag der offenen Tür“ im Herbst ist geplant, für Besucherkinder eine kleine Ralley zu gestalten.

Wir sind gespannt, inwiefern es uns in Zukunft gelingt, den Schulgarten noch regelmäßiger in den Schulalltag zu integrieren und durch viele Kinder zu nutzen.
Dafür sind nun alle Türen und Tore weit geöffnet!

 

Geschrieben von Frau Philipp (Klassenlehrerin der 1c und "unsere Schulgärtnerin")